Das erste Mal Führungskraft

An dieser Stelle möchte ich eine Serie starten, die beleuchtet, welche Eigenschaften und Fähigkeiten benötigt werden, um in der ersten Führungsrolle erfolgreich zu sein.

Frauen trauen sich ja oft, erst eine Stelle zu übernehmen, wenn Sie etwas praktisch zu 100% können. Das ist beim „Führungskraft werden“ schwierig – egal welches Studium Sie hinter sich und wie viele Kurse sie absolviert haben – Führungskraft werden Sie erst, wenn Sie die ersten Mitarbeiter führen. Und Mitarbeiterführung lässt sich leider nicht simulieren, sondern kann nur im realen Geschehen erlernt werden. Und damit sind wir schon beim ersten Punkt:

 

Das erste Mal Führungskraft: Zurück auf Start

 

Wenn Sie Führungskraft werden wollen, müssen Sie bereit sein, wieder zur blutigen Anfängerin zu werden.

Sie zucken zusammen? Blutige Anfängerin? Aber Sie sind doch so stolz auf das Erreichte. Sie sind Expertin auf Ihrem Gebiet, Ihre Beurteilungen strotzen nur so von Superlativen. Wer will denn eine Anfängerin?

Und hier ist der Knackpunkt: Egal wie gut Sie in Ihrem Fachgebiet sind – beim Thema Menschenführung sind Sie eine Anfängerin! Und je eher Sie sich das eingestehen, umso leichter wird es für Sie werden und auch für Ihre Mitarbeiter.

Ihre Mitarbeiter sind nämlich diejenigen, die ein sehr feines Gespür dafür haben, was Sie können und was sie nicht können. Und am Anfang ist das erstmal sehr wenig. Vertrauen Sie mir – ich weiß von was ich spreche. Sie kennen nämlich den Schreibtisch bisher nur von der anderen Seite – wenn Sie bisher vor Ihrer Chefin oder Ihrem Chef saßen. Jetzt ist das anders. Jetzt sitzen Sie auf diesem Platz und merken zum ersten Mal, wie komplex das Ganze ist. Und dass obwohl Sie bisher Teilnehmer bei Mitarbeitergesprächen waren, es doch etwas Anderes ist, diese führen und steuern zu müssen. Bisher waren Sie eben nur Teilnehmer – jetzt sind Sie die Verantwortliche. Und niemand weiß besser als Ihre Mitarbeiter, ob Sie hier fest im Sattel sitzen oder nicht. Ich vergleiche das immer mit Kindern und Ihren Eltern. Kinder, egal wie klein sie sind, kennen auch ganz genau die Schwächen ihrer Eltern. Und sie wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen.

Deshalb ist das Beste was sie tun können: Stehen Sie dazu! Gestehen Sie sich ein, dass Sie ziemlich wenig Ahnung haben und gehen Sie relativ offen damit um. Ihr Umfeld weiß es sowieso. Man wird Ihnen mehr Respekt entgegenbringen, wenn Sie nicht versuchen „Ms. Know it all“ zu sein, sondern durchaus selbstkritisch damit umgehen, dass Sie noch nicht alles wissen. Wenn Sie bei Entscheidungen das Fachwissen und die Meinungen Ihrer Mitarbeiter einholen, umso besser. Mit „relativ offen“ ist gemeint, dass natürlich alles seine Grenzen hat. Sie wissen zwar vieles noch nicht. Nichtsdestotrotz müssen Sie von Anfang an klarmachen, dass Sie, auch wenn Sie Meinungen einholen, letztendlich die Entscheidung treffen.

Selbstkritisch mit sich zu sein, bedeutet auch nicht, Respektlosigkeiten zu dulden. Man wird Sie testen und hier wird es an Ihnen liegen zu zeigen, dass Sie zwar Humor haben, jedoch den Respekt erwarten, der Ihnen als Vorgesetzte zusteht.

 

Mut für den Schritt zur Führungskraft

 

Dafür braucht es, meiner Erfahrung nach, viel Mut. Es gehört Mut dazu, sich in eine Aufgabe zu wagen, mit der man gefühlt erst mal überfordert ist. Die Schuhe sind ziemlich groß, die man sich anzieht und frau muss sich Zeit geben, da reinzuwachsen.

Es gehört auch ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz dazu. Die Lernkurve ist zu Beginn enorm – man macht so viele Fehler und tritt auch mal in Fettnäpfchen. Hier ist es gut, wenn man gnädig mit sich selbst umgeht und sich bewusstmacht, dass Führung nur „on the job“ erlernt werden kann.

Ich weiß noch, wie ich, als ich meine erste Führungsposition übernommen hatte, verzweifelt meinen ehemaligen Chef anrief. Ich stand vor einem Dilemma und wusste nicht, wie ich es lösen sollte. Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht. Er meinte damals „Man lernt Führung erst, wenn man die Verantwortung hat, egal wie gut man sich vorher vorbereitet hat“. In dem Moment habe ich verstanden was er meinte. Man muss die Verantwortung erstmal auf den Schultern spüren.

Sich Verantwortung aufzuladen, wohlwissend, dass man erstmal als Anfängerin damit umgehen wird – das erfordert Mut.

Um Dr. Maya Angelou zu zitieren: Mut ist die wichtigste aller Tugenden, denn ohne sie kann keine Tugend dauerhaft praktiziert werden.

Und das gilt insbesondere auch in einer Führungsrolle.

Herzlichst

Ihre Astrid Winkeler